Schritt 1: Ihre monatlichen Einnahmen ermitteln
Die Grundlage jedes Finanzplans ist die Frage: Wie viel Geld steht Ihnen jeden Monat zur Verfügung? Listen Sie alle regelmäßigen Einnahmen auf und rechnen Sie nur mit Beträgen, die sicher sind.
Mögliche Einnahmequellen
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Einnahmequellen für Studierende in Deutschland:
Einnahmequelle | Betrag pro Monat (2026) |
|---|---|
BAföG | bis zu 992 € |
Kindergeld | 259 € (wenn die Eltern es weitergeben) |
Unterhalt der Eltern | individuell |
Minijob | bis zu 603 € |
Deutschlandstipendium | 300 € |
Hilfen nicht vergessen
Viele Studierende nutzen nicht alle Hilfen, die ihnen zustehen. Prüfen Sie deshalb vor dem Studienstart, ob Sie Anspruch auf BAföG, Wohngeld oder die einmalige Studienstarthilfe von 1.000 Euro haben. Jeder Euro, den Sie zusätzlich bekommen, entlastet Ihr Budget spürbar.
Schritt 2: Ihre Ausgaben erfassen
Im zweiten Schritt schauen Sie, wohin Ihr Geld fließt. Teilen Sie Ihre Ausgaben dazu in drei Gruppen ein.
Fixkosten
Fixkosten fallen jeden Monat in gleicher Höhe an und lassen sich kurzfristig kaum verändern:
- Miete und Nebenkosten: meist der größte Posten im Budget
- Krankenversicherung: kostenlos in der Familienversicherung, sonst rund 133 bis 146 Euro im Monat
- Handy und Internet: Verträge, Abos und Streamingdienste
- Rundfunkbeitrag: 18,36 Euro pro Wohnung, in der WG wird er geteilt
Variable Kosten
Variable Kosten schwanken von Monat zu Monat. Dazu gehören Lebensmittel, Kleidung, Freizeit, Ausgehen und Drogerieartikel. Genau hier liegt das größte Sparpotenzial.
Einmalige und halbjährliche Kosten
Diese Ausgaben werden oft vergessen und sorgen dann für böse Überraschungen:
- Semesterbeitrag: je nach Hochschule meist zwischen 100 und 400 Euro pro Semester
- Lernmaterial: Fachbücher, Software oder ein neuer Laptop
- Kaution: bei einer neuen Wohnung oft bis zu drei Kaltmieten
Unser Tipp: Teilen Sie halbjährliche Kosten durch sechs und legen Sie den Betrag jeden Monat zur Seite. So ist das Geld da, wenn der Semesterbeitrag fällig wird.
Schritt 3: Die passende Budgetmethode wählen
Wenn Einnahmen und Ausgaben feststehen, verteilen Sie Ihr Geld nach einem festen System. Diese Methoden haben sich bewährt:
Die 70-20-10-Regel
Die bekannte 50-30-20-Regel ist für Studierende oft unrealistisch, weil die Miete einen großen Teil des Budgets ausmacht. Besser passt eine angepasste Variante:
- 70 Prozent für Grundbedarf: Miete, Lebensmittel, Versicherung, Mobilität
- 20 Prozent für persönliche Wünsche: Freizeit, Kleidung, Ausgehen
- 10 Prozent zum Sparen: Rücklagen und Notgroschen
Die Umschlagmethode
Sie heben zu Monatsbeginn Bargeld für variable Ausgaben ab und verteilen es auf Umschläge, zum Beispiel für Lebensmittel und Freizeit. Ist ein Umschlag leer, ist das Budget für diesen Bereich aufgebraucht. Wer lieber digital zahlt, nutzt Unterkonten oder „Spaces“ bei vielen Banken.
Budget-App oder Tabelle
Eine Budget-App oder eine einfache Tabelle zeigt Ihnen jederzeit, wie viel Geld noch übrig ist. Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern dass Sie es regelmäßig nutzen.
Beispiel: Ein Monatsbudget mit 1.000 Euro
So könnte ein Budget nach der 70-20-10-Regel aussehen:
Bereich | Anteil | Betrag |
|---|---|---|
Miete und Nebenkosten | 45 % | 450 € |
Lebensmittel und Drogerie | 20 % | 200 € |
Handy, Internet, Mobilität | 5 % | 50 € |
Freizeit und Kleidung | 20 % | 200 € |
Rücklagen und Semesterbeitrag | 10 % | 100 € |
Gesamt | 100 % | 1.000 € |
(Hinweis: Die Verteilung ist ein Beispiel. Passen Sie die Werte an Ihre Stadt und Ihre Lebenssituation an.)
Typische Fehler bei der Budgetplanung vermeiden
Auch der beste Finanzplan funktioniert nur, wenn Sie diese Stolperfallen kennen:
- Mit unsicheren Einnahmen rechnen: Planen Sie nur mit Geld, das Sie sicher bekommen, und nicht mit einem Nebenjob, den Sie noch suchen.
- Kleine Ausgaben unterschätzen: Der Kaffee zum Mitnehmen oder das Essen beim Lieferdienst summieren sich schnell auf mehr als 100 Euro im Monat.
- Abos vergessen: Streamingdienste, Fitnessstudio und Apps laufen oft weiter, obwohl Sie sie kaum nutzen.
- Keine Rücklagen bilden: Ohne Notgroschen wird eine kaputte Waschmaschine oder eine Nachzahlung schnell zum Problem.
- Den Dispo als Reserve sehen: Das Überziehen des Kontos ist sehr teuer und sollte keine feste Einplanung sein.
Den Finanzplan regelmäßig überprüfen
Ein Finanzplan ist kein einmaliges Projekt. Nehmen Sie sich am Ende jedes Monats zehn Minuten Zeit und vergleichen Sie Ihre geplanten mit den tatsächlichen Ausgaben. Haben sich Ihre Einnahmen oder Kosten verändert, zum Beispiel durch einen neuen Job oder eine Mieterhöhung, passen Sie Ihren Plan direkt an.
Denken Sie außerdem an wichtige Fristen: BAföG und Wohngeld müssen regelmäßig neu beantragt werden. Stellen Sie Folgeanträge rechtzeitig, damit keine Zahlungslücke entsteht.
Mit System entspannt durchs Studium
Ein Finanzplan muss nicht kompliziert sein. Mit drei einfachen Schritten behalten Sie Ihr Budget von Anfang an im Griff:
- Einnahmen kennen: Erfassen Sie alle sicheren Einnahmen und nutzen Sie die Hilfen, die Ihnen zustehen.
- Ausgaben im Blick behalten: Unterscheiden Sie zwischen Fixkosten, variablen Kosten und einmaligen Ausgaben.
- Geld verteilen: Wählen Sie eine Budgetmethode, die zu Ihnen passt, und bilden Sie Rücklagen.
Starten Sie am besten schon vor dem ersten Semester mit Ihrem Finanzplan und überprüfen Sie ihn jeden Monat. So können Sie sich voll und ganz auf Ihr Studium konzentrieren!
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